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Dawn to Dusk – 24 Stunden, 300 Kilometer und ein ganz besonderes Team

Nach ein paar gemeinsamen Tagen lernten wir uns alle etwas besser kennen, bevor am Samstag um 19 Uhr der Startschuss fiel.
Peter und ich starteten als 2er Team.
Und als wäre ein 24-Stunden-Rennen nicht Herausforderung genug, hatte das englische Wetter noch eine kleine Zugabe für uns:
Regen. Sehr viel Regen.
Von den 24 Rennstunden regnete es bestimmt 22 Stunden, teilweise in Strömen.
Und trotzdem habe ich von den Jugendlichen kein schlechtes Wort gehört. Keiner jammerte, keiner ließ sich die Laune verderben. Stattdessen wurde gearbeitet, geholfen, gelacht – und wir hatten trotz allem eine Mordsgaudi.
Das hat mich wirklich beeindruckt.

Sportlich begann das Rennen für uns nahezu perfekt. Ich erwischte einen richtig guten Start, holte den Holeshot und konnte die Führung halten. In den ersten fünf Stunden lagen wir auf Platz eins. Dann bekam Peter Probleme mit seinem Motorrad.

Die Mechaniker hatten plötzlich ordentlich Arbeit und wir fielen auf Platz vier zurück. Gleichzeitig funktionierte unser ursprünglich geplanter Fahrerwechsel nicht mehr. Solange Peters Motorrad nicht wieder einsatzbereit war, blieb mir nur eine Möglichkeit: Weiterfahren.

Also fuhr ich Runde um Runde durch die nasskalte Nacht, bis Peters Bike endlich wieder startklar war und wir wechseln konnten.
Für uns beide war klar: Mit Platz vier wollten wir uns nicht zufriedengeben. Die Aufholjagd begann.

In der Nacht war die Runde etwa sechs bis sieben Kilometer lang. Ab sechs Uhr morgens öffnete dann die große Strecke mit rund 22 Kilometern – und die hatte es in sich.
Durch den Dauerregen wurden die Auf- und Abfahrten immer rutschiger. Die Spuren fraßen sich mit jedem Fahrer tiefer in den Boden, Motorräder lagen quer und die Bedingungen verlangten immer mehr Kraft.

Zusätzlich gab es sogenannte Extreme-Loops. Diese Passagen waren deutlich schwieriger als die einfacheren Chicken Lines, brachten aber einen kleinen Zeitvorteil.
Wenn wir zurück an die Spitze wollten, konnte genau das entscheidend sein. Also fuhr ich sie alle, ab der ersten Runde.

Trotz Schlamm und Regen kam ich immer wieder auf Anhieb durch, machte kaum Fehler und hatte glücklicherweise so gut wie keine Stürze. So konnten wir Runde für Runde wertvolle Zeit gutmachen.

Und das gesamte Team fieberte mit.
Immer wieder wurde gerechnet: Wie groß ist der Abstand? Wie viel haben wir in dieser Runde aufgeholt? Irgendwann waren wir wieder auf Platz zwei. Und Platz eins rückte immer näher.

Irgendwann wurde der Kampf allerdings weniger einer gegen die anderen Fahrer als einer gegen den eigenen Körper.
Meine Arme schmerzten von Runde zu Runde stärker. Hände und Finger taten weh, den Lenker konnte ich kaum noch halten. Durch die Kälte und die permanent nasse Kleidung wurde alles noch unangenehmer. Umziehen machte kaum Sinn – nach kurzer Zeit im Starkregen war sowieso wieder alles durchnässt. Dazu kam der Schlafmangel. Irgendwann kam tatsächlich der Moment, an dem ich nicht mehr auf das Motorrad steigen wollte.

Der Körper sagte ganz deutlich: Es reicht.
Aber genau dann zeigte sich für mich, was dieses Wochenende eigentlich ausgemacht hat.
Mein Team ließ mich nicht hängen.

Bei jedem Wechsel standen die Jugendlichen bereit. Während sich die Mechaniker sofort um das Motorrad kümmerten, wurde ich mit Essen und Getränken versorgt. Die Mädels packten mich in warme Sachen und Decken, brachten mir eine Wärmflasche, Snacks und Getränke.
Es blieb wirklich kein Wunsch offen.

Und wenn ich selbst gerade nicht mehr daran glaubte, noch eine Runde fahren zu können, wurde ich wieder motiviert. Also stieg ich wieder auf.
Es war beeindruckend zu erleben, was der eigene Körper noch leisten kann, wenn der Kopf entschieden hat, dass es weitergeht.

Runde für Runde kämpften Peter und ich uns gemeinsam mit unserem Team wieder nach vorne. Und tatsächlich gelang es uns, die Führung zurückzuerobern.

Nach 24 Stunden, rund 300 Kilometern pro Fahrer, Dauerregen, Kälte, technischen Problemen, Schmerzen, Müdigkeit und unserer Aufholjagd von Platz vier zurück an die Spitze stand fest:

Platz eins in der Teamwertung bei Dawn to Dusk. Natürlich freue ich mich riesig über diesen Sieg. Aber wenn ich an dieses Wochenende zurückdenke, ist es nicht nur Platz eins, der mir in Erinnerung bleiben wird.

Viel mehr hat mich beeindruckt, wie dieses Team funktioniert hat.
Die Jugendlichen waren von Samstagvormittag bis Sonntagabend an der Strecke. Sie standen im Regen, hatten kaum Schlaf und mussten permanent aufmerksam sein. Trotzdem wurde nicht gemeckert. Jeder kannte seine Aufgabe, jeder packte mit an und bis zum Schluss war die Stimmung gut.

Ein 24-Stunden-Rennen gewinnt eben nicht derjenige, der auf dem Motorrad sitzt.
Dazu gehören die Mechaniker, die das Motorrad wieder fahrbereit machen. Die Menschen in der Zeitnahme. Diejenigen, die Essen und Getränke vorbereiten. Die Person, die einem eine Wärmflasche in die Hand drückt, wenn man völlig durchnässt zurückkommt. Und diejenigen, die sagen: „Komm, eine Runde geht noch“, wenn man selbst gerade nicht mehr daran glaubt.

Ich bin unglaublich dankbar, dass ich Teil dieses besonderen Jugendprojekts sein durfte und stolz darauf, mit diesem Team an den Start gegangen zu sein.

Denn Peter und ich sind die Kilometer gefahren.
Aber gewonnen haben wir dieses Rennen gemeinsam.


Eure
Eva Täuber

 

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