// Hard Enduro Weltmeisterschaft in Italien – Platz 2 in der Damenwertung
Hard Enduro Weltmeisterschaft in Italien – Platz 2 in der Damenwertung
Bereits am Freitag reisten wir nach Italien an. Nach der Ankunft ging es direkt mit dem üblichen Programm weiter: Anmeldung, technische Abnahme und Trackwalk. Dabei konnten wir uns bereits einen ersten Eindruck von einigen Schlüsselstellen der Strecke verschaffen.
Ein ganz besonderes Erlebnis wartete bereits am Freitagabend auf mich: Ich durfte an der offiziellen Pressekonferenz teilnehmen und dort die Damen der Weltmeisterschaft vertreten. Neben Größen des Hard-Enduro-Sports wie Billy Bolt, Manuel Lettenbichler, Michele Bosi und Mitch Brightmore Platz zu nehmen, war für mich schon ein ziemlich besonderer Moment. Entsprechend aufgeregt war ich natürlich – gleichzeitig aber auch unglaublich stolz, dort sitzen und die Frauen der WM vertreten zu dürfen. Eine Erfahrung, die ich so schnell sicher nicht vergessen werde.
Am Samstagmorgen wurde es dann zum ersten Mal ernst. Der Prolog wurde für die Bronze-, Silber- und Goldklasse ausgetragen und entschied über die weitere Startaufstellung.
Für mich lief er insgesamt sehr gut. Ich kam ohne Sturz und nahezu fehlerfrei durch die Strecke. Lediglich kurz vor dem Ende verlor ich etwas Zeit: Die Richtungspfeile waren an einer Stelle für mich nicht richtig sichtbar und die vorhandenen Fahrspuren führten geradeaus, obwohl ich eigentlich nach rechts hätte abbiegen müssen. Ich bemerkte meinen Fehler zwar schnell, aber ein paar wertvolle Sekunden waren trotzdem verloren. Abgesehen davon war ich mit meinem Prolog sehr zufrieden.
Guter Flow – und dann das vorzeitige Aus
Noch am Samstagnachmittag folgte das Sprintrennen.
Gestartet wurde in fünf Reihen mit jeweils 20 Sekunden Abstand. Ich kam gut weg und konnte mich schnell von einigen anderen Fahrerinnen und Fahrern absetzen. Bereits an der zweiten Auffahrt wartete allerdings der erste große Stau.
Viele Fahrer hingen an der Auffahrt fest und von hinten wurde teilweise ziemlich energisch versucht, sich irgendwie nach vorne zu arbeiten. Dadurch wurde es eng und hektisch und wir verloren bereits dort einiges an Zeit.
Nachdem ich diese Stelle hinter mir gelassen hatte, fand ich aber schnell meinen Rhythmus. Die Strecke war anspruchsvoll, machte mir aber Spaß und ich konnte mich gut durch die einzelnen Passagen arbeiten.
Dann kam die „Minestrone“ – und dort war mein erster Renntag leider schlagartig vorbei.
Mein Kettenblatt brach beziehungsweise teilte sich in zwei Teile. Eine Reparatur direkt auf der Strecke war nicht möglich. Gleichzeitig ist das Reglement eindeutig: Sobald man die Rennstrecke verlässt, ist das Rennen für diesen Tag beendet.
Damit blieb mir nichts anderes übrig, als den Renntag vorzeitig abzubrechen.
Natürlich war das ärgerlich, gerade weil ich bis dahin einen guten Flow gefunden hatte. Aber ändern konnte ich es nicht mehr. Also hieß es, das Motorrad wieder herzurichten und den Blick auf den nächsten Tag zu richten.
Von hinten durchs Feld
Am Sonntag ging es für mich aus der vorletzten Startreihe ins Rennen. Entsprechend war von Anfang an klar, dass ich mich nach vorne arbeiten musste.
Die Strecke der Silberklasse hatte es ordentlich in sich. Besonders an der „Minestrone“ und an zwei bis drei weiteren Schlüsselstellen bildeten sich immer wieder größere Staus. Dort ging es teilweise nur Stück für Stück vorwärts. Man musste warten, eine freie Linie suchen, sich durcharbeiten – und verlor dabei natürlich viel Zeit.
Insgesamt standen uns zwei Stunden Rennzeit zur Verfügung.
Auch mental war dieser zweite Tag für mich nicht einfach. Die Strecke verlangte ohnehin viel ab und gleichzeitig war mein Kopf nicht so frei, wie ich es von mir gewohnt bin. Es gibt eben auch solche Renntage. Tage, an denen man sich nicht nur durch die Strecke, sondern auch ein Stück weit durch sich selbst kämpfen muss.
An diesem Tag brauchte ich deshalb auch ein paar motivierende Worte und den einen oder anderen sprichwörtlichen „Arschtritt“ von außen, um weiterzumachen.
Umso dankbarer bin ich für die Menschen, die in genau solchen Momenten da sind.
Trotz der schwierigen Passagen und der langen Wartezeiten an den Schlüsselstellen konnte ich innerhalb der zwei Stunden zwei Runden absolvieren und das Rennen zu Ende fahren.
Am Ende durfte ich mich damit über Platz 2 in der Damenwertung der Weltmeisterschaft freuen und kann meine Position in der WM weiterhin halten.
Nach dem technischen Ausfall am Vortag und einem körperlich wie mental anspruchsvollen zweiten Renntag bedeutet mir dieses Ergebnis besonders viel.
Nicht jedes Rennwochenende läuft perfekt. Manchmal läuft das Motorrad nicht, manchmal der Kopf – und manchmal muss man sich einfach irgendwie bis ins Ziel durchkämpfen.
Euere
Eva Täuber




