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Hixpania 2026 – Ein Saisonfinale mit Gänsehaut

Das letzte Rennen der FIM Hard Enduro Weltmeisterschaft führte mich nach Aguilar de Campoo in Nordspanien, wo die Hixpania an einem Stausee ausgetragen wurde. Mein Motorrad war bereits vor Ort. Clément von RC Experience hatte es direkt nach dem Rennen in der Türkei mitgenommen, gewartet und für Spanien vorbereitet. Für mich war das eine große Erleichterung, denn nach Sea to Sky hatte mich eine ordentliche Erkältung erwischt und ich konnte kaum trainieren. Am Freitagvormittag konnte ich noch etwas trainieren, bevor Anmeldung und technische Abnahme auf dem Programm standen. Am Nachmittag nutzten wir das schöne Wetter, um die ungefähr sechs Kilometer lange Strecke für den Samstag zu Fuß anzuschauen.

Freitagabend: Super Enduro mit kleinen Flugstunden
Am Freitagabend stand das erste Rennen auf dem Programm: ein Super Enduro ausschließlich für die WM-Fahrer. Nach einem Training und einer Qualifikationsrunde folgte das Finale. Ganz ohne Zwischenfälle lief es bei mir allerdings nicht. In einem Steinfeld stürzte ich ziemlich ungünstig und riss mir dabei das Seitenteil der Motorradverkleidung ab. Kurz darauf verkrampfte sich meine Hand während der Fahrt. Als sich die Verkrampfung plötzlich löste, ließ ich versehentlich die Kupplung schnalzen. Mein Motorrad nahm das als Aufforderung, sich selbstständig auf den Weg zu machen – und flog direkt in die Absperrung. Zum Glück blieb ich bei beiden Aktionen unverletzt. Trotz dieser kleinen Eskapaden konnte ich das Finale auf Platz sechs beenden.

Samstag: Staub, Sand und schwere Beine
Am Samstag ging es ab Mittag auf die ungefähr sechs Kilometer lange Runde. Zunächst durften wir die Strecke einmal als ungezeitetes Training fahren, anschließend folgte eine gezeitete Runde für die Startaufstellung des Nachmittagsrennens. Um 15 Uhr wurde es dann ernst: Eine Stunde plus eine zusätzliche Runde standen auf dem Programm. Das Ergebnis bestimmte wiederum unsere Startposition für das Hauptrennen am Sonntag. Die Strecke war trocken, staubig und stellenweise sehr sandig. Insgesamt lief es für mich ganz gut, allerdings war ich danach überraschend erschöpft. Tatsächlich fühlte ich mich nach diesem Rennen platter als nach den sieben Stunden beim Mountain Race in der Türkei. Vermutlich machte sich die Erkältung bemerkbar, wegen der ich zwischen den beiden Rennen kaum trainieren konnte. Also hieß es, möglichst gut erholen und Kräfte für Sonntag sammeln.

Sonntag: Ein Start durch die Höhle
Bereits um acht Uhr mussten wir zur Startaufstellung auf der anderen Seite des Staudamms - bei 1 Grad Celsius. Allein der Start war etwas Besonderes: Wir standen vor einer Höhle, durch die wir nach dem Start hindurchfahren mussten. Danach ging es um eine Kurve und direkt auf zwei steile Auffahrten zu. Gestartet wurde in 12er Reihen, jeweils im Abstand von zwei Minuten zur vorderen Reihe. Ich kam richtig gut weg und lag innerhalb meiner Startreihe zunächst auf dem zweiten Platz. Allerdings steckten bereits einige Fahrer aus der vorherigen Reihe in der ersten Auffahrt fest. Links staute es sich ordentlich. Rechts gab es eine deutlich schwierigere, steinige Auffahrt, die kaum jemand fahren wollte. Ich dachte mir: Warten bringt mich jetzt auch nicht weiter. Also nahm ich die rechte Spur – und kam tatsächlich auf Anhieb hoch! Das war ein richtig gutes Gefühl, und ich konnte mich dadurch gleich etwas von den anderen absetzen. Danach führte uns die Strecke durch die Arena. Überall standen Zuschauer und feuerten uns an. Die Stimmung war unglaublich! Die Strecke selbst war anspruchsvoll, aber gut fahrbar. Steile Auf- und Abfahrten, Steinfelder, Waldpassagen und Sand – es war wirklich alles dabei. Vor allem die erste Runde war allerdings ziemlich mühsam. An vielen Hindernissen bildeten sich Staus. Immer wieder musste man warten, das Motorrad schieben, drücken, aufheben und sich irgendwie den Weg nach oben erarbeiten. Das kostete ordentlich Kraft und Zeit. Doch mit jeder Passage fand ich besser ins Rennen und irgendwann war er wieder da: dieser Flow, bei dem man nicht mehr ständig über jede Bewegung nachdenkt, sondern einfach fährt. Insgesamt schaffte ich drei Runden und konnte mich dabei auf die tolle Unterstützung meines französischen Rennservices verlassen.
Nach dem anstrengenden Samstag und der Erkältung im Vorfeld war ich besonders froh, dass ich am Sonntag so gut ins Rennen gefunden hatte.

Am Ende stand für mich Gesamtplatz 68 und der 1. Platz in der Damenwertung. Doch viel wichtiger war an diesem Wochenende die Frauenwertung der Weltmeisterschaft. Dort belegte ich Platz zwei. Und damit stand auch das Ergebnis der gesamten Saison fest: Vize-Weltmeisterin 2026 in der FIM Hard Enduro Weltmeisterschaft!

Plötzlich war die Saison vorbei – und ich stand tatsächlich als Zweite der Weltmeisterschaft auf dem Podium. Ein historisches Jahr für die Frauen im Hard Enduro. 2026 wurde erstmals eine offizielle Frauenwertung in der FIM Hard Enduro Weltmeisterschaft ausgetragen. Damit hat unser Sport in diesem Jahr Geschichte geschrieben.

Für mich ist das ein unglaublich wichtiger Schritt. Frauen sind im Hard Enduro schon lange unterwegs und stellen sich denselben schwierigen Strecken und Hindernissen. Eine offizielle WM-Wertung gibt ihren Leistungen nun eine größere Bühne. Ich hoffe sehr, dass dadurch noch mehr Frauen den Mut finden, diesen Sport auszuprobieren und vielleicht irgendwann selbst in der Weltmeisterschaft an den Start zu gehen. Dass ich gleich in diesem allerersten Jahr dabei sein durfte, macht mich unglaublich stolz. Nicht nur wegen meines Ergebnisses, sondern weil ich Teil dieser Entwicklung sein durfte. Die anschließende Siegerehrung war einfach wunderschön. Es gab eine ordentliche Champagnerdusche, wir haben gefeiert und ich konnte diesen besonderen Moment richtig genießen.

Ein ganz besonderer Dank geht an den MC Augsburg für die großartige Unterstützung und das Vertrauen während dieser Saison. Ich bin sehr dankbar, dass ich so eine tolle Unterstützung bekommen habe.

Eine ganze Weltmeisterschaft. Sechs Rennen. Unzählige Erinnerungen. Und am Ende ein Vize-Weltmeistertitel.

Was für ein Jahr!

Bis Bald
Eure Eva

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