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Sea to Sky in der Türkei – ein WM-Lauf voller Hindernisse und wertvoller Punkte

Pressekonferenz vor dem ersten Renntag
Noch vor dem ersten Renntag durfte ich gemeinsam mit bekannten Fahrern wie Lettenbichler, Jarvis, Roman, Kabakchiev und den Brightmore Brüdern an der offiziellen Pressekonferenz teilnehmen und die Frauenwertung der Weltmeisterschaft vertreten. Das war ein besonderes Erlebnis und ein echtes Highlight.
Tag 1 – Prolog am Strand
Los ging es mit dem Strandprolog. Der tiefe Sand war körperlich enorm anstrengend und verlangte eine ganz andere Fahrtechnik als das Gelände, das ich normalerweise gewohnt bin. Nach zwei Versuchen konnte ich meine Zeit trotz der bereits ausgefahrenen Strecke verbessern. Ganz fehlerfrei blieb ich allerdings nicht: Bei einem Sturz im Steinfeld verletzte ich mir das Knie und die Hand. Aber weiter gings. Am Ende landete ich mit Platz 193 von rund 329 Teilnehmern im Mittelfeld und sicherte mir damit meine Startposition für den nächsten Tag.
Tag 2 – 42 Kilometer durch den Wald
Am zweiten Tag stand das Forest Race über 42 Kilometer auf dem Programm. Vier Stunden hatten wir Zeit, um das Ziel zu erreichen. Ich fand schnell meinen Rhythmus und kam gut durch das anspruchsvolle, aber insgesamt fahrbare Waldgelände. Nach 3 Stunden und 22 Minuten erreichte ich das Ziel und verbesserte mich um 50 Plätze – von Startplatz 193 auf Platz 143. Damit war ich zufrieden und freute mich auf das große Finale.
Tag 3 – Vom Strand in die Berge
Das abschließende Mountain Race begann erneut am Strand. Ich startete aus der achten Reihe mit rund 20 weiteren Fahrern. Die ersten eineinhalb Stunden liefen richtig gut. Von schnellen Passagen über Waldstücke und technische Auffahrten bis hin zu tiefen Bachbetten war alles dabei. Ich fand meinen Flow und arbeitete mich nach vorne. Dann kam ein Sturz, der meinen Rennverlauf komplett verändern sollte. Im Flussbett schlug ich unglücklich mit dem Lenker auf. Dabei wurde der Startknopf auf die Lenkerarmatur nach innen gedrückt und ein Kabel am Startknopf abgequetscht. Somit funktionierte der Elektrostarter nicht mehr. Mehrfach gelang es mir, die Kabel notdürftig zu verbinden. Doch sobald ich alles wieder zusammenbauen wollte, löste sich die Verbindung erneut. Währenddessen zog ein Fahrer nach dem anderen an mir vorbei. Erst nach über einer Stunde funktionierte der Starter wieder. Inzwischen war ich bis auf Platz 289 zurückgefallen – aber aufgeben kam für mich nicht infrage.
Wasser bis zur Hüfte und keine Hinterradbremse mehr
Die Strecke führte durch einen tiefen Canyon mit anspruchsvollen Bachbetten. Teilweise stand ich bis zur Hüfte im Wasser und musste mein Motorrad durch die Strömung schieben. Dazu kamen rutschige Holzbrücken, eine abgesprungene Kette und keinerlei Überholmöglichkeit. Als ich mich endlich aus dem Canyon rauskämpfen konnte, wartete in der nächsten Auffahrt dann das nächste Missgeschick: Mein hinterer Fußbremshebel brach nach einem Kontakt mit einem Felsen ab. Ohne Hinterradbremse durch steile Abfahrten zu fahren, war alles andere als angenehm. Teilweise musste ich das Motorrad schieben oder mich extrem langsam bergab arbeiten. Einen Ersatzbremshebel hatte ich zum Glück dabei. Was mir allerdings fehlte, war der passende 13er-Schlüssel, um ihn auszutauschen. Also blieb mir nichts anderes übrig, als mich mehrere Kilometer ohne Hinterradbremse durch die steilen Auf- und Abfahrten weiterzukämpfen. Erst am siebten Checkpoint traf ich auf einen Fahrer, der das passende Werkzeug dabei hatte. Er lieh mir das benötigte Werkzeug, sodass ich den Bremshebel endlich wechseln konnte. Für diese Hilfe war ich unglaublich dankbar – und mit funktionierender Hinterradbremse konnte meine Aufholjagd endlich weitergehen und ich konnte zahlreiche Plätze gutmachen. Die Strecke führte durch tiefe Canyons, über Waldboden, Steine und lila Schieferplatten. Jeder Untergrund verlangte eine andere Fahrweise.
Alleine durch die Silberklasse
Bei Sea to Sky entscheidet der erreichte Checkpoint über die Wertungsklasse. Für einen vollständigen Silber-Finish musste man Checkpoint 11 erreichen. Die Silberstrecke hatte es in sich. Viele Fahrer schlossen sich zusammen, um sich gegenseitig zu helfen. Ich war dagegen komplett alleine unterwegs. Zwar traf ich immer wieder einmal auf andere Fahrer, aber über lange Abschnitte war ich völlig allein im Wald. Durch die beiden Defekte und die Staus an schwierigen Schlüsselstellen hatte ich jedoch zu viel Zeit verloren. Nach insgesamt sieben Stunden war an Checkpoint 10 Schluss. Die Zeit war abgelaufen und der letzte Checkpoint für den Silber-Finish nicht mehr erreichbar. Das war schade, denn fahrerisch wäre meiner Meinung nach noch mehr möglich gewesen. Trotzdem hatte ich mich nach jedem Rückschlag wieder zurück ins Rennen gekämpft und konnte mich noch bis auf Gesamtrang 131 nach vorne arbeiten.
Platz 1 bei den Damen und weiterhin WM-Zweite
Trotz der vielen Schwierigkeiten gab es am Ende Grund zur Freude: In der Damenwertung der Weltmeisterschaft erreichte ich bei diesem Lauf Platz 1 und sammelte wichtige WM-Punkte. Da meine direkte Konkurrentin Sandra Gómez nicht am Start war, konnte ich in der Meisterschaftswertung wertvolle Punkte aufholen. Aktuell liege ich weiterhin auf Platz 2 der Hard-Enduro-Weltmeisterschaft der Damen. Körperlich bin ich trotz mehrerer Stürze glimpflich davongekommen. Es blieb glücklicherweise bei einigen blauen Flecken und kleinen Brandwunden. Mein Motorrad hat dagegen etwas mehr gelitten – nach einem solchen WM-Lauf darf man ihm das wohl kaum übel nehmen. Natürlich hätte ich gerne den letzten Silber-Checkpoint erreicht. Aber manchmal besteht die größte Herausforderung nicht darin, besonders schnell zu sein, sondern nach jedem Rückschlag eine Lösung zu finden und weiterzufahren.
Jetzt heißt es, das Motorrad wieder fit zu machen und mich auf das Saisonfinale in 2 Wochen in Spanien vorzubereiten. Ich freue mich im Norden von Spanien meine erste Weltmeisterschaftssaison zu Ende zu fahren.
Eure Eva

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